
> Fachtext I: "Zur psychosozialen Situation von SED-Verfolgten"
>
Fachtext II: "Unrechtsstaat DDR: Eine gesellschaftspolitische Debatte,
ihre
psychosozialen
Auswirkungen auf die SED-Verfolgten und Notwendigkeiten der Bearbeitung"
Für
Inter Homines moderiert Dipl.-Psychologe Dr. Freihart Regner. Er
hat seit 2001 Erfahrung in der Gruppenmoderation mit politisch
Verfolgten und arbeitet seit 2010 in Sachsen-Anhalt schwerpunkt-
mäßig mit SED-Verfolgten. Nähere Angaben zur Person finden sich > hier.
Für
die Samaritergemeinde moderiert Frau Edeltraut Pohl, geboren
1942 in Potsdam. Sie ist seit 1984 bei der Kirchengemeinde angestellt
und somit auch Zeitzeugin. Derzeit ist sie hauptsächlich im
Bereich > Ausländerarbeit tätig.
Die
> Samariterkirche und -gemeinde in Berlin-Friedrichshain
hat eine lange oppositionelle Tradition. Bereits in der Zeit des
Nationalsozialismus war die Kirche Schauplatz der
Auseinandersetzungen zwischen regimetreuen Deutschen
Christen und der Bekennenden Kirche. Anfang der 80er Jahre wurde sie
unter Pfarrer Rainer Eppelmann zu einem Zentrum der unabhängigen
Friedensbewegung in der DDR. Verschiedene Seminare,
Veranstaltungen, Friedenspartnerschaften mit anderen Gemein-
den, der
Auftritt von Künstlern, die in staatlichen Einrichtungen nicht
geduldet wurden, sowie „Blues-
messen“, zu der Jugendliche aus der
ganzen DDR kamen, machten die Samariter-Gemeinde über die
Grenzen des Landes hinaus bekannt. Auch in den Ereignissen der
„Wendezeit“ spielte sie eine markante Rolle, etwa indem
Eppelmann 1989 nach den Kommunalwahlen in der DDR die SED
in Friedrichshain wegen Wahlfälschung anzeigte.
In
der DDR eine oppositionelle Haltung zu leben, wie beispielsweise im
Umfeld der Samariter-
kirche, war mit großen Risiken und oftmals
schweren Belastungen verbunden. Schließlich war ein ganzer
staatlicher Apparat darauf spezialisiert, Widerstandsbewegungen
zu unterwandern, zu diskreditieren, zu sabotieren und ihre Mitglieder
zu verfolgen, zu schikanieren und zu „zersetzen“. Viele
Betroffene tragen bis heute an den Folgen solcher politischen
Verfolgung und schweren Menschenrechtsverletzungen, und das
diesbezügliche Beratungsangebot reicht bei weitem nicht aus.
Angebot
An
die beschriebene oppositionelle Tradition der Samariterkirche soll
mit einem Gesprächsangebot für diejenigen angeknüpft
werden, die im nahen und weiteren Umfeld der Kirche seelische
Belastun-
gen aus der DDR-Zeit und danach davongetragen haben. Das
Projekt wird angeboten von Inter Homines in Zusammenarbeit mit der >
Evangelischen Galiläa-Samariter-Kirchengemeinde. Vom
07. Mai bis Juli 2009 findet in der Regel wöchentlich ein
moderierter Gesprächskreis in den
Räum-
lichkeiten der Samaritergemeinde statt. Der
Gesprächskreis hat zum Ziel, einen Raum zu schaffen, in dem ein
solidarischer Austausch über SED-Verfolgungserfahrungen
stattfinden kann. Biographi-
sche Belastungen sollen dadurch bewusster
gemacht und durch den sozial-kreativen Rahmen ein wenig abgeschwächt
werden. Begleitende psychosoziale Einzelgespräche sind bei
Bedarf und Wunsch möglich. Da die Laufzeit der Gruppe nur ein
Vierteljahr ist, sollen nur mittlere, aber keine tiefgreifenden
psychologischen Prozesse angeregt werden. Sollte das Projekt auf gute
Resonanz stoßen und für die Beteiligten zu einer
ausgesprochen hilfreichen Erfahrung werden, ist eine Fort-
setzung mit
einem Jahresprojekt in 2010 vorstellbar, sofern sich eine
Finanzierung dafür finden lässt.
Der
Gesprächskreis gründet sich unter anderem anlässlich
des > Gedenkjahres 20 Jahre Fall der Berliner Mauer.
Diesbezügliche Veranstaltungen können gemeinsam besucht und
anschließend in ihrer lebensgeschichtlichen Bedeutung
besprochen werden. Daraus soll eine Internetpräsenz
hervor-
gehen, auf der die Teilnehmenden sich und die Gruppe mit
verschiedenen kreativen Materialien, wie Erzählungen, Gedichte,
Bilder, Musik, Fotos, Videos, für die Öffentlichkeit
darstellen können. Der Gesprächskreis hat somit auch eine
gesellschaftspolitische Ausrichtung.
Durchführung
An
der Gruppe können bis zu zehn Personen teilnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos. Das
erste Treffen ist am 07. Mai 2009. Die Treffen finden in der
Regel wöchentlich, donnerstags um 18 – 19.30 Uhr, in
den Räumlichkeiten der Samariterkirche statt (Eingang
über Spielplatz hinter der Kirche), dort ebenso bei Bedarf und
Wunsch die begleitenden psychosozialen Einzelgespräche.
Alternativ werden Veranstaltungsbesuche, Ausflüge, Spaziergänge
u.ä. unternommen. Die Laufzeit der Gruppe ist un-
gefähr ein
Vierteljahr, bis längstens Ende Juli. Ihr Abschluss ist eine
gemeinsame Internet-Präsenz. Möglicherweise kann sie dann
in 2010 fortgesetzt und vertieft werden.
Die
Gesprächsgruppe wird von zwei Personen begleitet:
Für
Inter Homines moderiert Dipl.-Psychologe Dr. Freihart Regner. Er
hat seit 2001 Erfahrung in der Gruppenmoderation mit politisch
Verfolgten. Nähere Angaben zur Person finden sich > hier.
Für
die Samaritergemeinde moderiert Frau Edeltraut Pohl, geboren
1942 in Potsdam. Sie ist seit 1984 bei der Kirchengemeinde angestellt
und somit auch Zeitzeugin. Derzeit ist sie hauptsächlich im
Bereich > Ausländerarbeit tätig.
Inter
Homines und die Kirchengemeinde behalten sich konzeptuelle und
organisatorische Änderun-
gen und Anpassungen, wie sie sich im
Projektverlauf ergeben können, grundsätzlich vor. Etwaige
wesentliche Änderungen werden auf dieser Website benannt.
