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Aktuelles
Aktuelles
Moderierter Gesprächskreis für SED-Verfolgte

ab März 2011, 14-tägig, 18 Uhr

in der Samariterkirche
Samariterstraße 27, 10247 Berlin
Nähe U-Bhf Samariterstraße oder S-Bhf Storkower Straße
Eingang über Spielplatz hinter der Kirche

> zur Anmeldung

> Fachtext I: "Zur psychosozialen Situation von SED-Verfolgten"

> Fachtext II: "Unrechtsstaat DDR: Eine gesellschaftspolitische Debatte, ihre psychosozialen            
   Auswirkungen auf die SED-Verfolgten und Notwendigkeiten der Bearbeitung"


Für Inter Homines moderiert Dipl.-Psychologe Dr. Freihart Regner. Er hat seit 2001 Erfahrung in der Gruppenmoderation mit politisch Verfolgten und arbeitet seit 2010 in Sachsen-Anhalt schwerpunkt-
mäßig mit SED-Verfolgten. Nähere Angaben zur Person finden sich > hier. 

Für die Samaritergemeinde moderiert Frau Edeltraut Pohl, geboren 1942 in Potsdam. Sie ist seit 1984 bei der Kirchengemeinde angestellt und somit auch Zeitzeugin. Derzeit ist sie hauptsächlich im Bereich > Ausländerarbeit tätig.




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Pilotprojekt Gesprächskreis für SED-Verfolgte

Von Mai bis Juli 2009: erfolgreich abgeschlossen


   




Auswertung

(Stand: Ende August 09)

Das SED-Verfolgtenprojekt von Inter Homines konnte in der geplanten Form (siehe unten) erfolgreich durchgeführt werden. Eine bereits bestehende, unmoderierte Selbsthilfegruppe nahm das Angebot über die gesamte vierteljährliche Laufzeit des Projektes wahr und machte Erfahrungen mit psychosozialer Moderation. Am Ende bildete sich eine Gruppe von vier festen Teilnehmer/innen, die das Angebot für sehr hilfreich erachten und an einer Fortführung interessiert sind. Sie betonen die Bedeutung lebensförderlicher Solidaritätserfahrungen und schätzen die Moderation durch eine Zeitzeugin, die mit der Samariterkirche verbunden ist, und einen Psychologen, der sich auf politische Traumatisierung spezialisiert hat. Nun wird versucht, Fördergelder für ein umfassendes SED-Verfolgtenprojekt über die Laufzeit des Jahres 2010 bewilligt zu bekommen. Weitere Interessent/innen gibt es bereits. Die Bedeutung, die eine moderierte Selbsthilfegruppe für politisch Verfolgte und Traumatisierte gewinnen kann, geht aus einem Gedicht hervor, das eine Teilnehmerin für die Gruppe verfasst hat:


Selbst-Hilfe-Gruppe!

Eine Gruppe von Menschen, die sich selbst helfen?
Jeder Einzelne hat zur Gruppe gefunden durch sein eigenes Schicksal, sein Leben!
Jeder war allein und kämpfte und suchte und quälte sich durch dieses Leben.
Ich höre eure Erzählungen und mein Herz schlägt dumpf, es nimmt mir den
Atem und treibt mir die Tränen in die Augen.
Welch ein Leid! Welch eine Zerstörung!
Ich sehe in eure Augen und erkenne plötzlich:
Es ist eine Angst, eine Wut, eine Demütigung, ein und dasselbe Leid!
Wir reichen uns die Hände, wir wollen unsere Kräfte bündeln,
für jeden Einzelnen, für uns alle!
Wir sind Schwestern und Brüder der Seele,
beginnende Freunde für ein besseres Leben!
Eine Selbst-Hilfe-Gruppe !!!



Hintergrund

Die > Samariterkirche und -gemeinde in Berlin-Friedrichshain hat eine lange oppositionelle Tradition. Bereits in der Zeit des Nationalsozialismus war die Kirche Schauplatz der Auseinandersetzungen zwi­schen regime­treuen Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche. Anfang der 80er Jahre wurde sie unter Pfarrer Rai­ner Eppelmann zu einem Zentrum der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Verschiedene Semina­re, Veranstaltungen, Friedenspartnerschaften mit anderen Gemein-
den, der Auftritt von Künstlern, die in staatlichen Einrichtungen nicht geduldet wurden, sowie „Blues-
messen“, zu der Jugendliche aus der ganzen DDR kamen, machten die Samariter-Gemeinde über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Auch in den Ereignissen der „Wendezeit“ spielte sie eine markante Rolle, etwa indem Ep­pelmann 1989 nach den Kommunal­wahlen in der DDR die SED in Friedrichshain we­gen Wahlfälschung anzeigte.

In der DDR eine oppositionelle Haltung zu leben, wie beispielsweise im Umfeld der Samariter-
kirche, war mit großen Risiken und oftmals schweren Belastungen verbunden. Schließlich war ein ganzer staatlicher Ap­parat darauf spezialisiert, Widerstandsbewegungen zu unterwandern, zu diskreditieren, zu sabotieren und ihre Mitglieder zu verfolgen, zu schikanieren und zu „zersetzen“. Viele Betroffene tragen bis heu­te an den Folgen solcher politischen Verfolgung und schweren Menschen­rechtsverletzungen, und das diesbezügliche Beratungsangebot reicht bei weitem nicht aus.


Angebot

An die beschriebene oppositionelle Tradition der Samariterkirche soll mit einem Gesprächsange­bot für diejenigen angeknüpft werden, die im nahen und weiteren Umfeld der Kirche seeli­sche Belastun-
gen aus der DDR-Zeit und danach davongetragen haben. Das Projekt wird angeboten von Inter Homines in Zusammenarbeit mit der > Evan­gelischen Galiläa-Samariter-KirchengemeindeVom 07. Mai bis Juli 2009 findet in der Regel wöchentlich ein moderierter Gesprächskreis in den Räum-
lichkeiten der Samaritergemeinde statt. Der Gesprächskreis hat zum Ziel, einen Raum zu schaffen, in dem ein solidarischer Austausch über SED-Verfolgungserfahrungen stattfinden kann. Biographi-
sche Belastungen sollen dadurch bewusster gemacht und durch den sozial-kreativen Rahmen ein wenig abgeschwächt werden. Begleitende psychosoziale Einzelgespräche sind bei Bedarf und Wunsch möglich. Da die Laufzeit der Gruppe nur ein Vierteljahr ist, sollen nur mittlere, aber keine tiefgreifenden psychologischen Prozesse angeregt werden. Sollte das Projekt auf gute Resonanz stoßen und für die Beteiligten zu einer ausgesprochen hilfreichen Erfahrung werden, ist eine Fort-
setzung mit einem Jahresprojekt in 2010 vorstellbar, sofern sich eine Finanzierung dafür finden lässt.

Der Gesprächskreis gründet sich unter anderem anlässlich des > Gedenkjahres 20 Jahre Fall der Berliner Mauer. Diesbezügliche Veranstaltungen können gemeinsam besucht und anschließend in ihrer lebensgeschichtlichen Bedeutung besprochen werden. Daraus soll eine Internetpräsenz hervor-
gehen, auf der die Teilnehmenden sich und die Gruppe mit verschiedenen kreativen Materialien, wie Erzählungen, Gedichte, Bilder, Musik, Fotos, Videos, für die Öffentlichkeit darstellen können. Der Gesprächskreis hat somit auch eine gesellschaftspolitische Ausrichtung.


Durchführung

An der Gruppe können bis zu zehn Personen teilnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos. Das erste Treffen ist am 07. Mai 2009. Die Treffen finden in der Regel wöchentlich, donnerstags um 18 – 19.30 Uhr, in den Räumlichkeiten der Samariterkirche statt (Eingang über Spielplatz hinter der Kirche), dort ebenso bei Bedarf und Wunsch die begleitenden psychosozialen Einzelgespräche. Alternativ werden Veranstaltungsbesuche, Ausflüge, Spaziergänge u.ä. unternommen. Die Laufzeit der Gruppe ist un-
gefähr ein Vierteljahr, bis längstens Ende Juli. Ihr Abschluss ist eine gemeinsame Internet-Präsenz. Möglicherweise kann sie dann in 2010 fortgesetzt und vertieft werden.

Die Gesprächsgruppe wird von zwei Personen begleitet:

Für Inter Homines moderiert Dipl.-Psychologe Dr. Freihart Regner. Er hat seit 2001 Erfahrung in der Gruppenmoderation mit politisch Verfolgten. Nähere Angaben zur Person finden sich > hier.

Für die Samaritergemeinde moderiert Frau Edeltraut Pohl, geboren 1942 in Potsdam. Sie ist seit 1984 bei der Kirchengemeinde angestellt und somit auch Zeitzeugin. Derzeit ist sie hauptsächlich im Bereich > Ausländerarbeit tätig.

Inter Homines und die Kirchengemeinde behalten sich konzeptuelle und organisatorische Änderun-
gen und Anpassungen, wie sie sich im Projektverlauf ergeben können, grundsätzlich vor. Etwaige wesentliche Änderungen werden auf dieser Website benannt.


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